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Nostalgisch baden im Waldviertel

8. Juli
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Aug.

Glasklares Wasser, liebevoll gemachte Strandbuffets und perfektes Sommer-Feeling: Im Waldviertel gibt es wunderbar nostalgische Möglichkeiten, der Hitze zu entfliehen.


Foto: Max
Foto: Max

Es gibt sie noch, die Orte, an denen der Sommer wie eine Erinnerung aus der Kindheit schmeckt. Im Waldviertel muss man dafür meistens gar nicht lange suchen. Abseits von durchgestylten Erlebnisbecken und Chlorgeruch haben sich hier Badeplätze erhalten, die einen ganz eigenen Charme verströmen. Es sind Orte der klassischen Sommerfrische: verwittertes Holz, das unter den Füßen nachgibt, tiefgrüne, kühle Flussläufe und schattige Teichufer unter alten Bäumen, an denen die Uhren spürbar langsamer ticken.

Für ein Buchprojekt habe ich vor einigen Jahren ein paar dieser nostalgischen Badestellen in der Region bereist und porträtiert. Beim Wiederlesen der Texte fällt auf: Sie haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Glücklicherweise – manche Plätze sind einfach resistent gegen den Drang, sich jedem modernen Trend anpassen zu müssen. Hier also eine kleine Reise zu den schönsten Waldviertler Rückzugsorten am Wasser:


Strandbad Plank am Kamp: Ein Sommer wie damals


    Fotos: Sabine Maier


Schon vor über 100 Jahren wurde hier im Kamp gebadet und das nostalgische rot-weiß gestrichene, hölzerne Badehaus erinnert daran, dass das Strandbad eine lange Badetradition hat. Mittlerweile ist der Badeplatz öffentlich zugänglich und der Eintritt frei. Der Kamp fließt gemächlich, so dass man hier auch gut schwimmen kann, und auf den Steinterrassen am Wasser lässt es sich bestens faulenzen. Das Gelände ist nicht sehr groß, aber mit seinen alten Bäumen und dem übers Wasser ragenden Pavillon immer noch hochromantisch. Und vor allem: Der Strand-Heurige „Das Bachmann“ versorgt Sommerfrischler auf unglaublich liebevolle Weise mit Top-Produkten aus der Region.

 

Infrastruktur: kein Eintritt, Sonnenschirmverleih € 2,00, WC, Buffet

Adresse: Kamptalstraße 3, 3564 Plank am Kamp


Fürnkranzmühle: Der Geheimtipp am malerischen Stausee Ottenstein


Fürnkranzmühle
Foto: Sabine Maier

In diesem Fall ist die Erfindung des Navis mal wirklich nützlich. Denn der Badeplatz Fürnkranzmühle hat keine Adresse, keine Hausnummer und liegt irgendwo im Nirgendwo. Infrastruktur oder ein Strandbuffet gibt es dort übrigens auch nicht. Geparkt wird einfach an der Straße im Wald und dann muss man auch noch ein ganzes Stück zu Fuß gehen. Echt jetzt? Ja, und es zahlt sich aus! Eine wunderschöne Bucht, ein sandiger Strand, Natur pur mit Skandinavien-Feeling, Schmetterlinge und Hummeln, aber nicht viele Menschen: Wer da nicht abschalten und sich entspannen kann, ist selber schuld. Der in den 1950er Jahren angelegte 4,5 km² große Stausee ist für seine fjordartig verzweigten Seearme bekannt und wer den Schildern in den Wald folgt, muss einen dieser Nebenarme umrunden, bis er auf eine große Wiese stößt. Wer will, kann diesen abgelegenen Platz auch mit dem Boot entdecken: Ausleihen kann man die Tret- oder Elektroboote im Bootsverleih vom Seerestaurant Ottenstein. Und dann taucht man ein in die erfrischenden Fluten Skandinaviens. Just magic!

 

Die namensgebende Fürnkranzmühle, die bereits 1138 erstmals in einer Zwettler Chronik erwähnt wurde, ist nicht mehr zu sehen – sie steht auf dem Grund des Stauseebeckens.

 

Infrastruktur: kein Eintritt, kein WC, kein Buffet, keine Liegen

Lage: 3533 Mitterreith bei Zwettl (Zugang über die Waldwege ausgeschildert)


Stausee Ottenstein: Wasserspaß im Waldviertel


    Fotos: Sabine Maier


Der Stausee Ottenstein ist weniger „kleines nostalgisches Bad“, sondern großes Waldviertel-Kino. Wasser, Wald, Felsen, Buchten, lange Uferlinien – nicht umsonst erinnert der riesige Stausee an skandinavische Fjorde. Mit seinen unzähligen Buchten und Nebenarmen bietet er eine Vielzahl an Badezonen. Trotzdem bleibt der Stausee Ottenstein ein Ort, der sich nicht ganz zähmen lässt. Genau das macht ihn so schön. Er ist kein dekorativer Badesee, sondern ein Stück Kamp, Wald und Granit in Großformat. Wer seine Zeit nicht mit dem Suchen des geeigneten Platzes verbringen will, macht es sich einfach: Im Hauptort Peygarten-Ottenstein marschiert man zum Seerestaurant hinunter und springt daneben ins kühle Nass. Die Temperaturen sind mehr als erfrischend (skandinavisch halt) und auf einer der Felsinseln lässt es sich im Anschluss gut aufwärmen. Kaffee trinken, essen oder ein Boot ausleihen ist hier ebenfalls kein Problem.


Infrastruktur: kein Eintritt, Umkleide, WC, Buffet

Adresse: Peygarten-Ottenstein 69, 3532 Rastenfeld


Schlesingerteich: Ein idyllischer Waldsee mit glasklarem Wasser


Fotos: Sabine Maier


Wie ein Kraftplatz liegt der Schlesingerteich tief versteckt in den Wäldern des westlichen Waldviertels. Angelegt wurde der stattlich große Teich um das Jahr 1775 als Wasserspeicher – und nach dem ersten Aufseher, dem Schlesier Georg Hoppe, ist er bis heute benannt. Der Teich wird mit Waldquellwasser vom unberührten Weinsbergerwald gespeist und ist von jeglicher Umweltverschmutzung verschont. Das Wasser, das aufgrund seines hohen Eisengehalts eine leicht bräunliche Färbung hat, ist daher umwerfend sauber und klar. Und ja, auch kalt. Im Herbst 1997 gab es einen Dammbruch, danach wurde repariert und seither darf der Teich wieder zum Baden und Fischen verwendet werden. Geboten werden – bei freiem Eintritt – Umkleidekabinen, Toiletten, ein Imbiss, ein Beach Volleyball-Platz und ein Rettungsboot. Und die dringende Bitte des Bürgermeisters, das Kleinod nicht durch Müll oder Grillerei in Mitleidenschaft zu ziehen. Austoben dürfen sich hier nur die Biber, die im Winter  eine ganze Menge Bäume im Uferbereich gefällt haben.

 

Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität tummeln sich hier auch viele Fische. Tageskarten für Hobbyangler sind am Gemeindeamt erhältlich.

 

Infrastruktur: kein Eintritt, WC, Umkleide, Buffet

Lage: Südlich von Bärnkopf (ausgeschildert), 3665 Bärnkopf


Sonnenbad Kamptal Zwettl: Flussidylle und historische Sommerfrische


Foto: Line Sulzbacher
Foto: Line Sulzbacher

Direkt am Stadtrand von Zwettl, eingebettet in das grüne Kamptal, liegt das Sonnenbad. Es ist ein klassisches Flussbad der alten Schule, das seit 1924 an seinem heutigen Platz am Kamp residiert. Seine Vorgeschichte reicht aber bis 1874 zurück, als es in Zwettl bereits eine Schwimmschule im Fluss gab. 1899 wurde sie erstmals verlegt, 1924 kam sie an den heutigen Standort, und damals wurde auch das Kabinengebäude errichtet. Im Sonnenbad pritschelt man direkt im naturbelassenen Kamp – und der ist hier im Waldviertel noch besonders klar und belebend. Das Areal verströmt mit seinen schattigen Liegewiesen unter alten Bäumen und den einfachen Zugängen zum Wasser genau jene unaufgeregte Atmosphäre, die man an historischen Badeplätzen sucht. Es ist ein Ort für Puristen: Man breitet einfach die Decke im Gras aus, genießt das sanfte Rauschen des Flusses und schaltet ab.

 

Infrastruktur: kein Eintritt, Liegewiese, Umkleide, WC

Lage: Kamptalstraße (vom Stadtzentrum Zwettl aus bequem über den Promenadenweg am Fluss erreichbar), 3910 Zwettl


Das unbeschwerte Sommergefühl im Waldviertel


Wenn am späten Nachmittag die Hitze nachlässt und sich die typisch kühle Waldviertler Abendluft ankündigt, spürt man es besonders deutlich: Das Baden an diesen historischen Orten hat nichts mit Eventcharakter zu tun. Es ist ein Zurückschalten auf das Wesentliche. Man packt die Tasche, während die Haut noch nach Sonne und Wasser riecht, und nimmt ein Stück dieser zeitlosen Ruhe mit in den Alltag. Merke: Man braucht erstaunlich wenig für einen perfekten Sommertag – oft reichen ein schattiger Platz unter Bäumen und der Blick auf das klare Wasser. Und ein Eis natürlich ;-)

 

Buchtipp: Noch mehr schöne Badeplätze findet Ihr in meinem Buch „Baden im Land um Wien. Ein Taschenführer für Sommerfrischler & Badenixen“. Ihr könnt das Buch in der Ottilie kaufen oder online bestellen.


Text: Sabine Maier


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