6. November 2026
Lesung:
Arthur und Lilly
Lilly Maier

Preis:
€ 7,-
In „Arthur und Lilly“ erzählt Lilly Maier die beeindruckende Lebensgeschichte des jüdischen Jungen Oswald Kernberg (später Arthur Kern), mit dem sie eine ganz besondere Freundschaft verbindet. Oswald wurde auf gleich zwei Kindertransporten vor dem Holocaust gerettet – einmal von Wien nach Paris und ein zweites Mal von Südfrankreich nach New York. Als einziger seiner Familie überlebte er dadurch den Holocaust. In Los Angeles baute er sich trotz seiner traumatischen Kindheit und Jugend ein erfolgreiches Leben als Raketeningenieur und Vater dreier Söhne auf.
Über 60 Jahre später besuchte Arthur Kern seine alte Heimat wieder und fragte an, ob er die Wohnung seiner Kindheit besuchen dürfe. Als Arthur mit seiner Frau Trudie im März 2003 an seine alte Wohnungstür klingelte, war die Autorin Lilly Maier mit 11 Jahren nur weniges älter als der jüdische Junge von damals, der seine Familie für immer verlassen musste. Die Begegnung bildete nicht nur den Beginn einer wunderbaren Freundschaft, sondern sie sollte für Arthur Kerns Leben sensationelle Folgen haben. Inspiriert von der Bekanntschaft mit Arthur nahm Lilly Maier an dem Schülerprojekt „A Letter To The Stars“ zum Thema Holocaust teil und recherchierte die Biografie seiner Mutter. Als eine Tageszeitung die Geschichte aufgriff und ein Bild von ihr abdruckte, in dem sie ein Foto von Arthurs Mutter in der Hand hielt, geschah etwas schier Unglaubliches: Die 83-jährige Wienerin Valerie Bartos meldete sich bei der Zeitung und bestand darauf, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Sie hatte seit 1941 den Nachlass von Arthurs Familie aufbewahrt, den ihr Arthurs Vater kurz vor seiner
Deportation anvertraut hatte. 2003 erhielt Arthur Kern so nach über 60 Jahren ein letztes Paket von seiner Familie. Darin enthalten war das Leben seiner Eltern – Pässe, Versicherungspolizzen, Besitzurkunden. Mit diesen Dokumenten bekam Arthur sowohl auf emotionaler als auch auf finanzieller Ebene einen Teil seiner verlorenen geglaubten Welt zurück.
In Form einer historischen Reportage folgt das Buch den Lebens- und Fluchtstationen Arthur Kerns: Wien, Frankreich, New York und Los Angeles. Ergänzend erzählt die Autorin sehr persönlich, wie sich das Leben der Familie Kern wieder mit der alten Heimat verflochten hat: Durch die enge Freundschaft zu Lilly Maier, einer nicht-jüdischen Österreicherin, fanden die Kerns einen neuen Zugang zu ihrer eigenen Familiengeschichte.
Kindertransporte
Die Geschichte der Kindertransporte gilt als eines der wenigen positiven Kapitel in der Holocaust-Forschung: über 15.000 unbegleitete jüdische Kinder und Jugendliche konnten 1938/39 nach Großbritannien, Frankreich oder Amerika gerettet werden, weil ihre Eltern bereit waren, sich von ihnen zu trennen.
Die Kinder, zwischen zwei und 16 Jahren alt, wurden bei Privatfamilien oder in Internaten untergebracht, viele von ihnen emigrierten nach dem Krieg in die USA.
Die Rettung durch einen Kindertransport blieb dabei nicht ohne traumatische Folgen – die zwangsweise Trennung von den Eltern und die Entwurzelung aus dem gewohnten Leben hinterließen (emotionale) Spuren in der Biographie. Trotz allem gelang es aber den „Kindern“ als Gruppe, diese Traumata zu überwinden und in der Regel überaus erfolgreiche Leben zu führen.
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Vortragende: Lilly Maier, Historikerin und Buchautorin
Wann: Fr 6. November 19:00 Uhr
Das Buch kann vor Ort erstanden werden.
Preis 7,- Euro

