Ein fast vergessenes Buch kehrt heim: Meine Lesung zu „Wald“ von Hans von Hammerstein
- Sabine Maier
- 25. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Bücher, die findet man nicht – sie finden einen.
So ging es mir mit „Wald“, dem 1923 erschienenen Roman von Hans von Hammerstein. Ein Buch, das jahrzehntelang vor sich hindöste, bevor es wieder auftauchte wie ein höflicher Besucher, der sagt: „Ich wär‘ dann wieder da.“
Und das Überraschende: Der Roman spielt ausgerechnet hier! Genau hier im Waldviertel, rund um Ottenschlag zwischen Schloss, Wäldern und diesem eigensinnigen Wetter, das bereits im Text als Figur mitspielt. Als hätte sich die Landschaft selbst hineingeschrieben.
Am 20. März lese ich in der Ottilie aus diesem fast vergessenen Waldviertel-Roman – ein Abend für alle, die sich für die verborgenen Geschichten des Waldviertels begeistern.
„Wald – ein Roman aus dem alten Österreich“

„Wald“ ist ein Heimat- und Entwicklungsroman, der im Waldviertel um 1900 spielt. Schauplatz ist der Ort und das Schloss „Herrenschlag“, hinter dem sich unschwer das heutige Ottenschlag erkennen lässt. Im Zentrum steht die leise, innige Liebe zwischen der Hauptfigur Konrad, dem Sohn des Schlossbesitzers, und Martha, der Müllerstochter aus der Waldmühle, die sein Erwachsenwerden begleitet und prägt. Während Konrad heranwächst, reist, studiert und fremde Welten kennenlernt – von Venedig bis Wien –, bleibt der Wald für ihn Maßstab und innere Heimat.
Ein Stück Waldviertel-Literatur, das beinahe vergessen war
„Wald“ ist – wie man heute sagen würde – ein Coming-of-Age-Roman, der die Gegend rund um Schloss Ottenschlag mit einer frappierenden Genauigkeit schildert. Die Landschaft ist nicht bloße Kulisse – sie formt die Figuren, sie kommentiert das Geschehen, sie bestimmt das Tempo.
Der Autor Hans Freiherr von Hammerstein-Equord kannte das Schloss und die Umgebung sehr gut, da seine Familie mit den damals in Ottenschlag lebenden Grafen Falkenhayn gut bekannt war. Man spürt diese Vertrautheit auf jeder Seite: das Licht, das an Wintertagen schwerer hängt; der Nebel, der hier mehr Übung hat als irgendwo sonst; die Stille, die oft mehr erzählt als Dialoge.

Eine altmodische Sprache – und genau darin liegt ihr Reiz
„Wald“ ist in einer Sprache geschrieben, die selbst für die 1920er Jahre ungewohnt traditionell klingt – getragen von langen, gedrehten Sätzen und einer fast ernsthaften Ruhe. Keine modernen Effekte, kein übersteigerter Heimatton, keine Hast-im-Text.
Diese altmodische Sprache zwingt zum langsameren Lesen. Und genau dadurch entsteht etwas Schönes: Man liest nicht über das Waldviertel – man wandert hindurch. Man folgt dem Rhythmus der Landschaft, nicht dem einer literarischen Mode.

Den Hinweis auf den Roman fand ich in einem Nebensatz von Paul Lenauers Ottenschlag-Buch. Der Roman war aber leider vergriffen, antiquarisch nicht zu bekommen. Also entstand eine kleine Neuauflage: nicht als Großprojekt, sondern als behutsame Rettung. Ein Stück Literatur, das zurück an seinen Ursprung wollte ;-)
Das Buch kann in der Ottilie erstanden werden.
Warum „Wald“ heute wieder funktioniert
Vielleicht, weil es ein Buch über das Erwachsenwerden ist – ohne Pathos, ohne Hektik, dafür mit einem genauen Blick für Stimmungen. Vielleicht, weil die Landschaft nicht romantisiert wird, sondern ernst genommen. Oder vielleicht, weil man spürt, wie vertraut Hammerstein mit der Region war – und wie sehr er sie schätzte, ja liebte.
In einer Zeit, in der alles schneller wird, wirkt dieser Roman wie ein Gegenentwurf. Ein Text, der sich weigert zu hetzen. Eine Sprache, die ohne Eile auskommt.

Foto: Sabine Maier
Der Roman kehrt an seinen Ausgangsort zurück
Dass die Lesung in der Ottilie stattfindet, macht Sinn: Mit Blick auf das Schloss, das so eine wichtige Rolle im Roman spielt, ist die Ottilie ein Seminarzentrum, in dem sich viele Kurse und Veranstaltungen um Schreiben, Lesen, Verlage und Literatur drehen.
Am 20. März um 19 Uhr erzähle ich in der Ottilie, wie der Autor und kurzzeitige Justizminister (!) Hans von Hammerstein lebte und schrieb. Welche realen Orte und Menschen im Roman vorkommen und wie die Neuauflage entstanden ist.
Dazu lese ich ausgewählte Stellen – jene Passagen, in denen das Schloss, der (Fisch)Wald und die Geschichte von Konrad und Martha besonders deutlich hervortreten.
Und wer weiß: Wenn der junge Schlossherr damals gewusst hätte, dass seine Geschichte hundert Jahre später wieder hier landet – er hätte vermutlich höflich genickt und gesagt: „Eh klar.“
Infos und Anmeldung zur Lesung am 20.3.2026 gibt's hier
Foto: Karoline Grill, Sabine Maier
#Wald Hans von Hammerstein #Waldviertel Roman #Lesung Ottenschlag #Literatur Waldviertel #vergessene österreichische Romane #Waldviertel Geschichte
Text: Sabine Maier
Die Ottilie ist ein Seminarzentrum und eine Ferienwohnung in Ottenschlag im Waldviertel – untergebracht in einem 500 Jahre alten Haus, gegründet von Journalistin und Buchautorin Sabine Maier. Zentrum: www.die-ottilie.at, Ferienwohnung: www.willkommen-ottilie.a















Kommentare