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Genuss hinter den sieben Bergen: Das Wirtshaus Mathe in Etzen

Es gibt Orte, bei denen man unterwegs kurz denkt: Bin ich hier noch richtig? Oder schon in einem Märchen gelandet? Beim Wirtshaus Mathe in Etzen ist diese Frage durchaus berechtigt. Es liegt nicht einfach „etwas abseits“. Es liegt so abseits, dass man ohne Übertreibung sagen kann: hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Nur dass die Zwerge hier vermutlich keine Suppe aus Holzschüsseln löffeln würden, sondern marinierten Salatherzen mit gebeizter Lachsforelle und Miso-Limettenmayonnaise sehr aufgeschlossen gegenüberstünden.


Extravagante Waldviertler Küche im Wirtshaus Mathe

Foto: Sabine Maier


Das Wirtshaus Mathe: ein Wirtshaus mit Eigensinn


Das Gasthaus Mathe wurde gerade umfassend umgebaut. Und das Bemerkenswerte daran ist nicht nur, dass es nun modern, warm und ausgesprochen schön geworden ist. Sondern auch, dass der Umbau bei laufendem Betrieb stattgefunden hat. Während also irgendwo gehämmert, gebohrt, gestrichen und geplant wurde, bekamen die Gäste weiter ihr Mittagessen. Waldviertler Belastbarkeit, könnte man sagen. Oder einfach: ein Familienbetrieb, der weiß, dass ein Wirtshaus nicht monatelang verschwinden kann, wenn Menschen es gewohnt sind, dort einzukehren. Auf einem Schild stand damals: „Wirtshaus bleibt Wirtshaus – auch wenn die Lampen neu sind. Nur der Eigensinn bekommt noch ein bisschen mehr Freiheiten.“

Heute empfängt einen das Mathe mit Räumen, die elegant sind, ohne steif zu wirken. Mit Farben, die ganz bewusst an das Waldviertel erinnern: an Wald, Moos, Nebel und rote Mohnblüten. Das klingt vielleicht nach Designkonzept, fühlt sich aber nicht danach an. Eher so, als hätte jemand das Haus neu angezogen, ohne ihm seine alten Schuhe wegzunehmen.


Schweinsbraten darf bleiben. Miso darf dazu.


Regionale Produkte im Wirtshaus Mathe Etzen

Foto: Sabine Maier


Das eigentlich Schöne am Mathe ist aber nicht nur der Umbau. Es ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier zwei Welten an einem Tisch zusammenkommen. Auf der einen Seite: klassische Waldviertler Küche. Schweinsbraten aus dem Ofen. Mohnnudeln. Gerichte, die nicht neu erfunden werden müssen, weil sie schon wissen, was sie können.Auf der anderen Seite: eine feine, durchaus extravagante Küche, die sich mit einer gehörigen Prise Neugier dazugesellt: Gegrilltes Filet vom Zander mit Mairübchen und Grießknödel, Maibock mit Nuss-Schupfnudeln, marinierte Salatherzen mit gebeizter Lachsforelle und Miso-Limettenmayonnaise.

Das könnte angestrengt wirken. Tut es aber nicht. Weil hier niemand so kocht, als müsste er beweisen, dass er das Waldviertel hinter sich gelassen hat. Eher im Gegenteil: Das Mathe bleibt Wirtshaus. Nur eben eines, das die Fenster weit aufmacht.


Aus der Gegend, weit gedacht: regionale Produkte aus dem Waldviertel


Auch dass hier regional gekocht wird, ist kein braves Lippenbekenntnis für die Speisekarte. Man schmeckt es einfach. Der Karpfen kommt aus der Teichwirtschaft Fürstenberg in Weitra, Wild, Pasteten und Geselchtes stammen vom Schloss Litschau und die Erdäpfel steuert die Familie Schulmeister aus Blumau bei. Im Sommer wandern Kräuter, Beeren, Äpfel und Blüten direkt aus dem eigenen Garten in die Küche. Und das Bier? Hat es auch nicht weit – das kommt natürlich aus Zwettl.


Handwerker, Stammgäste, Gourmets



Neu gestalteter Gastraum im Wirtshaus Mathe

Wirklich nett ist die Mischung an den Tischen. Beim günstigen Mittagmenü sitzen Handwerker und Stammgäste ganz selbstverständlich neben Menschen, die auch von weit her anreisen, weil sie gehört haben, dass man in Etzen erstaunlich gut essen kann.

Und erstaunlich gut ist fast zu wenig gesagt. 2026 feierte das Gasthaus Mathe sein Falstaff-Debüt und holte gleich zwei Gabeln. Für ein Wirtshaus irgendwo in den Weiten des Waldviertels ist das schon eine Ansage. Für alle, die dort gegessen haben, vermutlich eher eine Bestätigung. Dass auch im Glas nichts dem Zufall überlassen wird, hat übrigens familiäre Gründe: Seit der „Sommelier des Jahres 2024“ die Tochter des Hauses geheiratet hat, wird hier auch beim Wein mit viel Gespür eingeschenkt. Das ist für ein Wirtshaus ein ziemlicher Glücksfall – und für die Gäste erst recht.


Ein Wirtshaus, das sich nicht festlegen lässt


Das Mathe ist ein Familienbetrieb in vierter Generation. Aus einer vor langer Zeit einfachen Einkehr ist ein Haus geworden, das sich neu erfunden hat, ohne seine Herkunft wegzudekorieren. Genau das macht es so spannend. Denn das Waldviertel kann manchmal sehr gut darin sein, sich kleiner zu machen, als es ist. Hier passiert das Gegenteil. Da steht ein Wirtshaus in Etzen und zeigt ganz unaufgeregt: Wir können Schweinsbraten. Wir können Mohnnudeln. Wir können aber auch Zander, Maibock, Miso, richtig guten Wein und schönes Licht.

Man fährt also hinaus, durch Orte, Felder, Kurven und Waldstücke, bis man fast glaubt, jetzt könne eigentlich nichts mehr kommen. Dann kommt Etzen. Dann kommt das Wirtshaus Mathe. Und dann sitzt man dort, isst hervorragend, trinkt ebenso gut und denkt: Hinter den sieben Bergen lässt es sich offenbar ganz ausgezeichnet leben.


Die sieben Zwerge haben vermutlich längst reserviert.


Fotos: Sabine Maier

Text: Sabine Maier


Wirtshaus Mathe

Etzen 3

3920 Groß Gerungs

Tel. +43 2812 8336


Die Ottilie ist ein Seminarzentrum und eine Ferienwohnung in Ottenschlag im Waldviertel – untergebracht in einem 500 Jahre alten Haus, gegründet von Journalistin und Buchautorin Sabine Maier. Zentrum: www.die-ottilie.at, Ferienwohnung: www.willkommen-ottilie.a


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