Schloss Greillenstein – Barocke Gartenträume im Waldviertel
- Sabine Maier
- 18. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Ein Kupferstich aus dem Jahr 1721 hat Schloss Greillenstein ein Stück seiner Gartengeschichte zurückgegeben. Das Blatt zeigt die Vasenentwürfe des Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach – genau jene Vorlagen, nach denen die Gartenvasen im Hof des Schlosses gefertigt wurden. Der Stich macht sichtbar, was Stein und Landschaft in Greillenstein seit Jahrhunderten bewahren: die enge Verbindung von Architektur, Kunst und Gartenkultur.

Elisabeth Kuefstein mit der Vorlage der barocken Vasen, Foto: Sabine Maier
Wenn der Sommer geht: Gartenträume zwischen Vergangenheit und Zukunft
Der Sommer verlässt nun endgültig unsere Gefilde – und viele Freuden des Gartens und Gartelns rücken damit wieder auf Monate in weite Ferne. Wollte man/frau nicht noch den Rosen ein wenig Pflege angedeihen lassen? Wollte man/frau nicht noch ausgiebig das Draußensein genießen? Da lässt sich nur im Planen der kommenden Saison ein wenig Hoffnung schöpfen. Denn wie heißt es doch (in leichter Abwandlung einer bekannten Redensart): Nach dem Sommer ist vor dem Sommer!
Ähnlich mag es schon (vermögenden) Gartenliebhabern der Vergangenheit ergangen sein. Was mag man da wohl getüftelt haben an Verbesserungen von Parks und Gärten, zumal, wenn wie im Barock, sich die Umsetzung über Jahre erstrecken sollte?
Der Schlossgarten von Greillenstein: Barocke Pracht im Waldviertel

Einen Geheimtipp unter den Gärten stellt die weitläufige Anlage des Schlosses Greillenstein im Waldviertel dar; auch sie das Produkt von Jahren, wenn nicht Jahrzehnten der Planung und Realisierung. Wenige schriftliche Dokumente haben sich dazu im an sich so penibel geführten Schlossarchiv erhalten – doch wen mag das wundern, galten die Ausgaben für Gärten als privater Luxus, der weiters nicht festgehalten sein wollte und dessen Kosten man mitunter nur ungern allzu transparent gesehen hätte.
Lindenallee, Kaskade und Skulpturen: Spaziergang durch eine historische Gartenanlage
Die Reste der einstigen Pracht von Greillenstein, die sich auch noch nach drei Jahrhunderten erkennen lassen, sind jedenfalls beeindruckend: Schon die Lindenallee mit uralten Baumriesen vor dem Schloss versetzt den Gast in nostalgische Zeiten. Der Springbrunnen mit seinem heiligen Florian (aus dessen Wasserkübel das Wasser einstens recht neckisch spritzte) verrät am Sockel den Namen des Künstlers: Philipp Rochus Eberl, der scheinbar als Hauskünstler die gestalterische Kraft hinter den umfangreichen Skulpturen rund um das Schloss gewesen ist.
Vom Drachen bis zu den Zwergen: Humor und Fantasie im barocken Garten

Beim Spaziergang durch die weitläufige Kastanienallee sieht man sich plötzlich konfrontiert mit den Überbleibseln einer gewaltigen Kaskade. Hier lief in früheren Zeiten das Wasser aus dem Forellenteich über achtzig Stufen talabwärts, als Speier diente ein monumentaler (wenngleich nicht wirklich furchterregender) Drache aus Sandstein. Er hat mittlerweile seine Heimstatt im Schloss gefunden, gemeinsam mit einer Serie grotesker Zwergenfiguren. Vom verschlagenen „Pülcher“ (Pilger) bis hin zur Zwergin, die ihre Notdurft verrichtet, reicht das lustig-derbe Spektrum der hier vertretenen Gestalten.
Die Vasen von Greillenstein und ihre berühmte Vorlage

Ob Graf und Künstler in langen Winterabenden die zur Belustigung gedachten Figuren gemeinsam erdachten (und ihren Träumen vom Sommer nebst Gartenfreuden nachhingen), lässt sich nur vermuten. Tatsächlich quasi „aus dem Katalog“ sind freilich die wunderschönen Vasen, die Eberl für den Schlosshof von Greillenstein aus heimischem Sandstein zu meißeln hatte. Als Vorlage bediente man sich dabei des berühmten Traktates des Johann Bernhard Fischers von Erlach.
Johann Bernhard Fischer von Erlach: Das Vorlagenblatt als Schlüssel zum Verständnis
Foto: Sabine Maier
Fischer von Erlach hatte im Jahr 1721 seinen „Entwurf Einer Historischen Architectur“ in Druck erscheinen lassen, den ersten Versuch, eine sozusagen illustrierte universelle Geschichte der Baukunst anhand der Bauten der Antike, aber auch ferner Länder wie Chinas oder Persiens vorzustellen. Den letzten Abschnitt bildeten dabei Vasen, die der Stararchitekt nach eigenem Entwurf oder nach (mehr oder weniger authentischen) Vorbildern in Kupferstichen publizierte.
Die „Vase du Soleil“ und die „Unsterblichkeit der Seele“ in Greillenstein
Dem Erfolg von Fischers Unternehmen begegnet man in Greillenstein recht unverblümt: Hier findet man die „Vase du Soleil“, die Vase der Sonne, wieder. Ihr Relief zeigt den Sonnengott Apollo auf einer Quadriga inmitten des Zodiakus, der Sternzeichen. Aber auch die Vase „Unsterblichkeit der Seele“, angeblich – und wenig glaubhaft – nach einer Vorlage aus dem antiken Ägypten gefertigt, wurde hier in plastische Formen übertragen. Und zwar bis ins Detail! So sollte einem die kleine Fledermaus am oberen Rand nicht entgehen.
Greillenstein entdecken: Wo Gartenkunst und Sommerträume zusammenfinden
Wo die Vorlagenstiche des Grafen hin verschwunden sind, ist nicht bekannt – das Meister Eberl zur Verfügung gestellte Exemplar der Architekturgeschichte lässt sich in der schmucken Schlossbibliothek jedenfalls nicht mehr nachweisen. Umso größer war die Freude, als ein Abzug des Blattes der Vase 2025 im Wiener Kunsthandel aufgestöbert und zu moderatem Preis erworben werden konnte. Und wer weiß? Vielleicht lässt man sich ja auch in Greillenstein von den hübschen Vorschlägen Fischers wieder verführen und träumt von Vasen, Parks – und Sommer.
Fotos: Sabine Maier
Text: Andreas Gamerith
Die Ottilie ist ein Seminarzentrum und eine Ferienwohnung in Ottenschlag im Waldviertel – untergebracht in einem 500 Jahre alten Haus, gegründet von Journalistin und Buchautorin Sabine Maier. Zentrum: www.die-ottilie.at, Ferienwohnung: www.willkommen-ottilie.a















Kommentare